Geschichte von Klein Kienitz

Geschichte um Klein Kienitz weiter unten. Quelle und Autoren:  Theo Engeser und Konstanze Stehr ...

Die Deutung des Namens ist noch nicht sicher entschieden. Schlimpert (1972) favorisiert eine Herleitung vom slawischen Kynjc oder Kyjanc = Hammer, Keule oder Stock. Der Name würde demnach zu den Rodungsnamen gehören. Andere Autoren deuten den Namen als Ort der Leute eines Chyn (Chynici). Klein Kienitz wurde 1375 im Landbuch Kaiser Karl IV. erstmals als "Kinitz parva" erwähnt. Es hatte 30 Hufen, von denen der Pfarrer 2 Freihufen hatte. Jede der abgabepflichtigen Hufen mußte als Pacht 8 Scheffel Roggen, 8 Scheffel Hafer bezahlen. 18 Hufen mußte zusätzlich noch 4 Scheffel Gerste abgeben. An Zins hatte jede Hufe 2 Schillinge und an Bede 20 Pfennige zu bezahlen. Der Krug mußte 8 Schillinge abliefern. Die Kossäten, von denen es 7 gab, mußten jeder 7 Pfennige und ein Huhn abliefern. Die Gerichtsbarkeit und die Wagendienste waren im Besitz von Berchter und Wilhelm von Liepe. Diesen stand auch die Pacht von 18 Hufen zu. Claus und Bartholomäus Sunde von Mittenwalde hatten die Pacht von 2 Hufen als Lehen vom Markgrafen. Ein gewisser Selstrank war im Besitz der Bede von 20 Hufen, die übrigen Hufen gaben keine Bede. Dieser Selstrank war auch im Besitz von Hebungen in Höhe von 1/2 Wispel Roggen, die früher zur Burg Mittenwalde geleistet wurden, außerdem standen ihm 4 Schöffel Roggen, 4 Schöffel Gerste und 8 Schöffel Hafer zu. Die letzteren Leistungen hatte er von (Nikolaus) Falke, Ritter, und früher Vogt in Mittenwalde erkauft. Henning Honow und Henning Rutcher hatten die Pacht von 4 Hufen, Tyle Glaze die Pacht von 2 Hufen, außerdem erhielt letzterer noch 15 Schöffel Hafer, 8 Schöffel Gerste und 4 Schillinge vom Zins. Einem gewissen Dyreken stand die Pacht von 2 Hufen zu. Der Markgraf besaß hier nichts.
1450 und 1480 war das Dorf im Lehenbesitz der v. d. Liepe. Allerdings haben auch die v. Milow Besitz erworben. 3 Hufen waren 1480 wüst geworden. Nach dem Tode des Claus v. Milow fielen diese Anteile an den Kurfürsten zurück, der 1484 Kurt v. Schlabrendorff damit belehnte. Auch die Familie v. Flanß konnte Besitz in diesem Dorf erwerben. Später muß es dann in Besitz der v. Thümen gekommen sein, von denen es 1558 an den Berliner Bürger Mittelstraß verkauft wurde. Aus 11 Hufen wurde dann ein Rittergut gebildet, das teilweise steuerfrei wurde. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts waren die v. Köppen Besitzer des Gutes. Danach kam das Gut an die Witwe des August v. Köppen, dann an v. Knesebeck und v. Tauentzien. 1821 hieß der Besitzer Friedrich Diercke, 1850 besaß ein gewisser Steffeck das Dorf.


Geschichte um Klein Kienitz

Geschichten um Klein Kienitz von Stefan Rothen (Teil I, Teil II und Teil III)

Herr Stefan Rothen (Museum Rangsdorf) arbeitet zur Zeit an einem historischen Buch in Wort und Bild über „Persönlichkeiten der Siedlungsgemeinschaft Rangsdorf einschließlich der Ortsteile Groß Machnow, Klein Kienitz sowie über die Vorwerke Pramsdorf und Theresenhof“. So lautet jedenfalls der Arbeitstitel. Gegenwärtig sind rund 600 Personen erfasst wie Bürgermeister, Pfarrer, Gutsbesitzer, Künstler, Vereinsgründer, Sportler, Firmeninhaber, Familientraditionen usw. So steht in der alphabetischen Anordnung z.B. der ehemalige Weltrekortler neben einem Pfarrer aus Groß Machnow (Röhmer) aber noch hinter dem aktuellen Bürgermeister. Für Rothen war es wichtig lebende Zeitzeugen zu den geschichtlichen Ereignissen zu befragen und sie mit den Geschichten aus früherer Zeit zu verbinden. Einige zugesagte Fotografien fehlen gegenwärtig noch in seiner Sammlung. Zur Ergänzung der o.g. Arbeit sollte die Kontaktaufnahme über 0170 1611410 erfolgen bzw. während der Öffnungszeiten im Museum Rangsdorf. Nachfolgender Auszug ist der erste Teil über die Ortschaft Klein Kienitz.

Geschichten um Klein Kienitz von Stefan Rothen (Teil I)

Wer in Berlins Mitte über die Tauentzienstraße bzw. über den Wittenbergplatz schlendert, wird nie auf die Idee kommen dies mit dem Rangsdorfer Ortsteil Klein Kienitz zu verbinden. Oder wer im ehemaligen Breslau über den zentralen Platz der Stadt flanierte, musste unwilkürlich an einem Grabmahl vorbeigehen, dass entstanden ist durch einen Entwurf des Architekten Carl Gotthard Langhans (1732 – 1808) und durch den Bildhauer Johann Gottfried Schadow (1764 – 1850) geschaffen wurde. Doch in Klein Kienitz weist weder ein Hinweisschild noch ein Straßennamen auf die ehemaligen Berühmtheiten des Dorfes hin. Vielleicht hilft diese Geschichtsdarstellung dem Förderverein Klein Kienitz neue Energie für eigene Präsentationen zu finden. Es ist richtig hier von Berühmtheiten in der Mehrzahl zu sprechen, obwohl es sich bei flüchtiger Betrachtung des General von Tauentzien nur um einen Namen handelt, sind hier Vater und Sohn in die Preußische Geschichte eingegangen. Zunächst widmen wir uns dem Vater Friedrich Bogislav von Tauentzien, der am 18.04.1710 im Örtchen Tauentzien (Lauenburg/Pommern, heute polnisch Lebork) geboren wurde und am 21.03.1791 in Breslau verstarb. Wir befinden uns damit im Zeitalter des Absolutismus und im Geistesleben in der Neuorientierung der Aufklärung mit den Hauptvertretern Emanuel Kant und Gotthold Epharim Lessing. Preußen rühmte sich einen aufgeklärten Herrscher zu besitzen, das zweite Gesicht Preußens ist jedoch grausamer militärischer Drill, die Truppe als Kanonenfutter und der Beamte ist eine bürokratische Diszipliniermaschine des Königs. Der führende Stand im Staat war der Adel, aus dem der König die Offiziere seiner Armee rekrutierte. 1752 heiratete von Tauentzien die Tochter des Oberstleutnant von dem Knesebeck, Charlotte von dem Knesebeck vom Rittergut Klein Kienitz. Von Tauentzien war der Erbauer des zweigeschossigen Putzbau (Gutshaus) in Klein Kienitz nach 1752 mit abgewalmten Satteldach. Das Gebäude steht in seinem Umriss heute noch so, wie es der General ursprünglich erbauen ließ. Kinder aus der Ehe: 2 Söhne und 4 Töchter. Der jüngste Sohn ist der spätere berühmte General Bogislav Friedrich Emanuel von Tauentzien Graf von Wittenberg (Befreiungskriege um 1813). General F. B. von Tauentzien nahm an allen Kriegen von Friedrich II. (Friedrich der Große, Der Alte Fritz, roi philosophe) teil. Er war bei Mollwitz 1741 unter Generalfeldmarschall Kurt Christoph Graf von Schwerin (1684 - 1757), bei der Einnahme von Prag, bei der Schlacht am Hohenfriedberg 1745 gegen eine aus 70 000 Österreicher und Sachsen bestehendes Herr unter der Führung Karl von Lothringen und bei der Niederlage von Kolin 18.06.1757 (östlich von Prag,). Von Tauentzien bewährte sich besonders 1760 bei der Verteidigung von Breslau gegen den kaiserlichen Feldmarschall Gideon Freiherr von Laudon (1717 – 1790), wo er in Lebensgefahr geriet. Zahlreiche Lieder über „Friedrich den Großen“ entstanden nach Schlachten an denen auch von Tauentzien teilgenommen hatte. In dem vier strophigen Lied „Berennung von Breslau“ wird von Tauentzien zwar nicht namentlich genannt, aber seine Funktion geehrt: „Kommandant von der Stadt, der viel Kouragi hat“.Gleichzeitig förderte er Gotthold Epharim Lessing (1729 - 1781), in dem er ihn während des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763) und darüber hinaus ab 1760 – 1765 als Sekretär in Breslau (Schlesien) beschäftigte und ihm so eine gewisse finanzielle Sicherheit verschaffte. Die Aufgabe von Lessing war es, die Schriftstücke des Generals u. a. an seinen König in sprachlich angemessene Form zu bringen. Obwohl der Lebenswandel Lessing kritikwürdig war, begann dieser in den letzten Jahren an seiner „Minna von Barnhelm“ zu schreiben, die er 1766/67 in Berlin vollendete. Die Figur des „Tellheims“ in dem Stück wird dem Freund Lesssings dem im Siebenjährigen Krieg gefallenen Major und Dichter Ewald von Kleist (1715 -1759) zugeschrieben. Genauso sind es auch die Züge des tugendhaften, disziplinierten, treuen, ehrenhaften, preußischen Berufssoldaten General von Tauentzien, der wesentlich zur Charakterbildung des „Tellheims“ beigetragen hat. Das bereits oben erwähnte Breslauer Grabmahl des von Tauentzien stand bis 1945 auf dem dortigen Tauentzienplatz. Durch den neuen Verwalter Schlesiens wurde das Monument damals dem Erdboden gleich gemacht. Bilddokumente über das Grabmahl sind noch vorhanden. Zwei Zinnleuchter für die Kirche von Klein Kienitz sind eine Stiftung der ab 1791 verwitweten Frau Generalin v. Tauentzien, sowie eine Taufschale aus Zinn. Die Taufschale hat folgende Inschrift: "Ihro Exzellenz die verwitwete Frau Generalin von Tauentzien geborene von dem Knesebeck verehrte der Kirche zu Klein Kienitz dieses Becken und semtlichen Kirchenschmuck zu Ihrem Andenken". Das Rittergut von Klein Kienitz blieb bis 1821 im Besitz der Familie von Tauentzien. Im direkten Erbgang von Köppen bzw. über den Vergleich der Allodialerben zu denen von dem Knesebeck, gehörte das Gut Klein Kienitz sogar 240 Jahre in den familiären Besitz. Im zweiten Teil der Geschichtsbetrachtung über Klein Kienitz werden die Befreiungskriege mit den Schauplätzen von Großbeeren, Dennewitz, Wittenberg und der so genannte „Berliner Generalszug“ in Verbindung mit Klein Kienitz stehen.

Geschichten um Klein Kienitz von Stefan Rothen (Teil II)

Im ersten Teil der Betrachtung über den Rangsdorfer Ortsteil Klein Kienitz wurde der Vater des Grafen von Wittenberg vorgestellt. Nachstehend steht das Leben des Rittergutsbesitzers von Klein Kienitz, Bogislaw Friedrich Emanuel Graf von Wittenberg von Tauentzien im Mittelpunkt. Geb. wurde der Graf 15(26.).09.1760 in Potsdam – gestr. 20.02.1824 Berlin. Sohn des Generals Friedrich Bogislav von Tauentzien. Seine Mutter geb. Charlotte von dem Knesebeck lebte schon vor der Hochzeit mit seinem Vater auf dem Rittergut in Klein Kienitz. Ab 01.03.1774 Eleve der Militärakademie, 1775 Standartjunker im Regiment von Prinz Heinrich, 12.10.1790 Major, am 06.06.1792 in den preußischen Grafenstand erhoben, 1793 königlicher Flügeladjutant und bis 1813 verschiedene diplomatische Missionen, Teilnahme am Feldzug von 1793 (2. Teilung Polens), 1795 Oberst, 1801 Generalmajor, 1806 Schlacht bei Schleitz und bei der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt, Kapitulation von Prenzlau, Kriegsgefangener nach Nancy, nach dem Tilsiter Frieden 1807 befehligte er als Generalleutnant die brandenburgischen Brigaden mit 4000 Taler Gehalt und 10 Rationen, 1813 Militärgouverneur zwischen Oder und Weichsel. 1813 leitet von Tauentzien als Militärgouverneur von Pommern die Belagerung der Stadt Stettin, die von den Franzosen besetzt gehalten wurden. Von Tauentzien verhinderte mit seiner Landwehr des IV. Preußischen Armeekorps von Blankenfelde kommend in den Vormittagsstunden des 23.08.1813 den weiteren Vormarsch des rechten Flügels der französischen Armee – IV. Korps unter Bertrand (Vorgefechte, Voraussetzung für den Sieg in Großbeeren am 23.08.1813). Damit war er mal wieder in Klein Kienitz, dass er so oft nicht sehen konnte, da er nur auf den Schlachtfeldern Europas unterwegs war. Seine Ortskenntnisse halfen ihm besonders, um neben dem Rangsdorfer See auf der Höhe von Blankenfelde nach Jühnsdorf eine optimale Stellung zu beziehen. Am 06.09.1813 war die Schlacht von Dennewitz (Jüterbog) in der er unter dem Befehl von Blücher eigene Angriffe befehligte. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig zwang er am 26.12.1813 Torgau zur Kapitulation, offiziell soll er auch Wittenberg im Sturm erobert haben. In Wahrheit war es Generalleutnant Dobschütz der in Folge dessen zum Gouverneur von Dresden ernannt wurde. Die Meinung von Historikern geht hier etwas auseinander. Von Tauentzien erhielt dennoch das Ehrenprädikat „von Wittenberg“ von seinem König, später kommandierte er unter dem schwedischen Bernadotte das 4. Armeekorps, Magdeburg fiel nach enger Einschließung am 24.05.1814. Nach der Heeresreform in Preußen sind 1813 nur noch 2 Generäle (Leberecht von Blücher und Bogislav Friedrich Emanuel Graf von Tauentzien) von ehemals 143 im Amt. Ab 7.8.1814 erhielt von Tauentzien Besitz in Schönfeld (Züllichau-Schwiebus) der nach seinem Tode 1827 versteigert wurde. Verheiratet mit Elisabeth Marschall gestr. 1785 und erneuter Hochzeit am 27.09.1787 mit der Hofdame der Königin, Luise Friedericke von Amstedt (Maxdorf) geb. 01.04.1760 – gestr. 25.03.1840, 4 Kinder - 3 Töchter, darunter Henriette Elisabeth verheiratet mit General Gustav Graf von Hake. Der General Bogislaw Friedrich Emanuel Graf von Wittenberg von Tauentzien starb als Kommandant von Berlin und wurde auf dem Invalidenfriedhof an der Scharnhorststraße von Berlin beigesetzt. Mit dem einzigen Sohn General Friedrich Heinrich Bogislav (geb. 07.04.1789) erlosch dieser gräfliche Zweig des Geschlechts von Tauentzien. Die Stadt Berlin verfügt über einen so genannten „Generalzug“. Straßennamen und Plätze ehren so einige Generäle der Preußischen Könige u.a. Tauentzienstraße, Wittenbergplatz, Winterfeldstraße, Yorckstraße, Bülowstraße, Blücherstraße, Scharnhorststraße. In Dennewitz südwestlich von Jüterbog steht ein Tauentzien-Denkmal seit 1897 mit der Inschrift: „Ich werde eher mit meinem Korps auf dem Platze liegen bleiben, ehe ich einen Schritt weiche“, das Denkmal wurde 1988 umgesetzt und steht jetzt zwischen Museum und Kirche.

Solche Geschichtsbetrachtungen sind Auszüge aus den Arbeiten von Stefan Rothen über Persönlichkeiten in der Siedlungsgemeinschaft Rangsdorf in Wort und Bild. Wer mehr Informationen sucht bzw. wer Ergänzungen von Persönlichkeiten zum Buch zufügen möchte, sollte Kontakt aufnehmen über 0170 1611410 oder zu den Öffnungszeiten im Museum Rangsdorf.

Geschichten um Klein Kienitz von Stefan Rothen (Teil III)

(abschließende Betrachtung)

Einwohner Klein Kienitz
1375 30 Hufen,7 Kossäten (ca. 120 – 150 Einwohner)
1652 4 Hufen, 5 Kossäten (ca. 40 - 60 Einwohner)
1800 85 Einwohner
1860 148 Einwohner
1900 116 Einwohner
1910 161 Einwohner
1933 176 Einwohner
1939 181 Einwohner
1971 176 Einwohner
2003 158 Einwohner
2008 158 Einwohner

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) überlebten 3 Hüfner und ein 1 Kossät. Da damals allgemein nur die männlichen, arbeitsfähigen Personen gezählt wurden, können nach persönlicher Schätzung etwa 10 – 15 Menschen den Krieg in Klein Kienitz überlebt haben. Nur allmählich und langsam begann eine erneute Besiedlung und Nutzung der wüstliegend oder freigelassenen Höfe. Mit dieser Situation waren alle umliegenden Dörfer und Städte in Auswirkung des Krieges betroffen. Ausgebrannt und ausgeplündert, Hunger und Krankheiten - so lag das Territorium des Teltow am Kriegsende. In Klein Kienitz und in Groß Machnow gab es fast keine Leute und keine Anspannungen, so dass das Amt Zossen um Verbindung mit Berlin zu behalten, „daselbst Brücken und Dämme bauen musste“. Obwohl in der Tabelle die Einwohner weitergezählt worden sind, endete die Selbständigkeit der Gemeinde Klein Kienitz während der Amtstätigkeit des Rangsdorfer Bürgermeisters Johannes Gehlsorf (Oktober 1965 – Juni 1982) am 01.04.1974 durch Eingemeindung nach Rangsdorf.

Stefan Rothen – Museum Rangsdorf
 

Quelle: Stefan Rothen – Museum Rangsdorf


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